Vom Regenwald in die Rocky Mountains

Diesen Sommer reiste ich mit meiner Familie zwei Wochen durch Westkanada. Wir mieteten ein Auto und hatten die Unterkünfte in den jeweiligen Orten bereits im Voraus von einem Reisebüro reservieren lassen. Wir haben uns zuerst gedacht, dass wir spontan nach Hotels suchen könnten, jedoch wurde uns dies nicht empfohlen. Kanada feierte dieses Jahr das 150-jährige Bestehen, daher waren die Eintritte in alle Nationalparks gratis. Dies lockte viele Touristen an und wir waren froh, hatten wir unsere Reservierungen, da viele Hotels und Motels keine freien Zimmer hatten.

Reiseroute

Vancouver

Wir waren leider nur zwei Tage in Vancouver bis wir zum nächsten Ort reisen mussten. Daher mussten wir uns auf ein paar Sehenswürdigkeiten beschränken.

Die Altstadt von Vancouver, Gastown genannt, ist definitiv ein Must-see! Im Jahr 1886, nur knapp 20 Jahre nach der Gründung, zerstörte ein Feuer die Stadt und die Bewohner waren bis in die 1920er Jahren damit beschäftigt, den Ort wieder ganz aufzubauen.

Mir hat die Dampfuhr, welche sich in diesem Stadtteil befindet, sehr gut gefallen. Sie ist die weltweit erste Uhr, welche mit Dampfkraft betrieben wird. Leider befindet sich vor dieser Uhr immer eine grosse Touristengruppe, welche die Sicht darauf versperrt.

Im Vancouver Lookout hat man einen wunderschönen Ausblick über die gesamte Stadt und ihre Vororte. Das Deck mit einem 360 Grad Ausblick befindet sich fast 170 Meter über Vancouver.

Wir fanden die Tickets etwas teuer, sie sind aber einen ganzen Tag lang gültig und so kann man auch nochmals am Abend hochfahren, um den Sonnenuntergang zu bewundern.

Der Stanley Park ist der grösste Stadtpark von Kanada und lädt im Sommer zum Verweilen ein. Da es bei unserem Besuch etwas regnete, haben wir beschlossen das Vancouver Aquarium zu besuchen. Ich habe schon ein paar Aquariums besucht und dieses in Vancouver hat mir sehr gefallen. Die Meeresbewohner sind in verschiedene Teilausstellungen aufgeteilt und so nach Lebensraum, wie Tropen oder Arktis, sortiert. Im Aussenbereich hat es die grösseren Tiere, wie Otter und Seehunde. Zudem verfügt das Aquarium über einen Wal und einen Delfin, welche verletzt im Meer gefunden wurden und nun nicht mehr in die Wildnis gelassen werden.

Vancouver Island

Auf der Fährenfahrt vom kanadischen Festland auf Vancouver Island hat man einen schönen Ausblick. Manchmal hat man das Glück während der Überfahrt einen Wal zu sichten, wir hatten es leider nicht.

Auf der Insel haben wir den Cathedral Grove besucht. Dies ist ein Park, welcher bis zu 800 Jahre alte Zedern. An diesen naturbelassenen Orten erhält man einen guten Einblick wie Vancouver Island vor den ersten Siedler ausgesehen hat. Der Wild Pacific Trail ist ein wunderschöner Wanderweg, welcher am Pazifik entlang führt. Dieser Weg ist in unterschiedliche Teilstrecken aufgeteilt und wir haben den Lighthouse Loop gemacht. Dieser Teil ist flach und somit auch bequem zum Laufen. Zudem hat es eine schöne Aussicht.

When I’m in Canada, I feel this is what the world should be like.

Jane Fonda

Victoria

In Victoria waren wir nur einen halben Tag, da wir gegen Mittag dort ankamen und am nächsten Tag die Fähre in der Nähe zurück aufs kanadische Festland nahmen.

Dementsprechend haben wir nicht viel der Stadt gesehen. In Victoria fühlt man sich wie in Grossbritannien. Der Baustil ist sehr britisch und etwa jeder zweite Shop verkauft Ware aus irischer Wolle.

Sehr sehenswert ist der Inner Harbour bei welchem man gemütlich am Hafen entlang schlendern kann und mit einer Glace den Strassenkünstlern bei ihrer Tätigkeit zuschauen kann. Gerade hinter dem Hafen liegt das Parlamentsgebäude und daneben das Fairmont Empress Hotel. Diese zwei gehören zu den bekanntesten Gebäuden in Victoria und sind meiner Meinung sicher einen Besuch wert.

Auch Verhungern muss man in Victoria nicht, wie der Rest der Stadt ist auch das britisch gehalten: An jeder Ecke findet man ein britisches Pub in welchen man aber auch die kanadische Spezialität Poutine erhält.

Kelowna

Kelowna liegt im Okanagan Tal und am gleich genannten See. Somit befindet sich die Stadt inmitten eines der grössten Weingebiete von Kanada. Auch hier waren wir wieder nur einen halben Tag, aber ich denke das reichte. Die Stadt selbst ist meiner Meinung nach nicht sehr sehenswert. Wir besuchten spontan einen japanischen Garten, welcher in der Stadt angelegt ist. Der Garten ist zwar eher klein und man hat ihn auch schnell gesehen, aber ich habe die Ruhe und Entschleunigung genossen.

Da Kelowna direkt am Okanagan See liegt, kann man auch gut Baden gehen. Für die Kinder wurde sogar ein Luftschloss-Park im See errichtet.

Clearwater

Wir haben zweimal etwas ausserhalb von Clearwater übernachtet. Die Stadt besteht aus nicht viel mehr als ein paar Hotels, Restaurants und einem Supermarkt, aber dank ihrer Lage ist es der ideale Ausgangsort für Ausflüge in den Wells Gray National Park. Da wir uns nicht sehr gut vorbereitet hatten was man in diesem Park unternehmen kann, haben wir zuerst einen Besuch dem Tourist Information Center abgestattet. Der Angestellte hatte uns sehr kompetent beraten und wir haben uns ziemlich schnell dafür entschieden die Wasserfälle zu besuchen. In diesem Nationalpark hat es mehrere Wasserfälle, aber wir besuchten nur drei davon.

Der berühmteste von den Wasserfällen des Nationalparks ist der 141 Meter hohe Helmcken Fall. Dieser Wasserfall ist auch der Grund, warum der Nationalpark überhaupt existiert. Der Helmcken Fall liegt etwa einen 5-minütigen Spaziergang vom dazugehörenden Parkplatz entfernt und ist somit leicht zu erreichen.

Der nächste Wasserfall den wir besuchten, war der Moul Falls. Dieser Wasserfall ist schwerer zu erreichen, da man etwa eine  Stunde lang dorthin wandern muss. Dafür hat es einen Weg, welcher hinter dem Wasserfall entlang führt. Aber Achtung: Man sollte sich warm und wasserfest anziehen, denn das Wasser ist eiskalt und der Wind und die Gischt führen dazu, dass man nass wird.

Als letztes gingen wir zu den Spahats Creek Falls. Bei diesem Wasserfall kommt das Wasser aus einem Loch in der Felsmauer und fällt 80 Meter in die Tiefe.

Obwohl ich nach diesem Tag eine etwas längere Pause von Wasserfällen brauchte, waren sie auf jeden fall einen Besuch wert! Die Fälle sind alle sehr unterschiedlich und einzigartig.

Da wir schon fast die Hoffnung auf eine Bär-Sichtung aufgegeben hatten, beschlossen wir, dass wir einen Zwischenstopp auf unserer Weiterfahrt einlegen und eine River Safari machen.

Die Tour war unseres Empfindens nach sehr teuer (ca. $80 pro Person für eine Stunde), jedoch war sie es wert. Es ist alles sehr professionell organisiert und im kleinen Rahmen gehalten. Pro Schnellboot waren etwa 12 Besucher plus ein Guide. Die Guides hatten sehr grosse Kenntnisse über Bären und generell der Wildtiere und Pflanzen von Kanada und konnten uns so viele Fakten erzählen. Das Highlight war natürlich als wir eine Bärenmutter mit ihren zwei etwa sechs Monate alten Jungen gesehen haben, welche ans Seeufer kamen. Die Bären sind sich an die Boote gewöhnt und so konnten wir sie aus relativ kleiner Distanz aus beobachten.

Jasper

Der Jasper National Park ist womöglich einer der bekanntesten National Parks von Kanada. Während unseres zweitägigen Aufenthalts in Jasper haben wir in einer kleinen Blockhütte des wunderschönen Becker’s Chalet Hotel übernachtet. Es liegt etwa 10 Autominuten von Jasper entfernt an einem hellblauen Fluss, welcher in den Rocky Mountains entspringt. Eine Angestellte des Hotels erzählte uns, dass man manchmal Bären auf der anderen Flussseite beim Fischfangen oder Elche und Hirsche beim Trinken beobachten kann.

Wir besuchten den Maligne Lake, welcher ein beliebtes Postkartensujet ist. Auf dem Weg dorthin, kamen wir an vielen Waldteilen vorbei, welche bei einem Waldbrand vor 5 Jahren verbrannten. Zudem hatten wir das Glück einen Bären zusehen, welcher am Strassenrand Beeren frass.

Kurz vor dem Maligne Lake befindet sich ein anderer See der ebenso sehenswert ist. Der Medicine Lake (auch Dying Lake genannt) ist ein malerischer, nicht sehr grosser See. Er wird Dying Lake genannt, da er einen stärkeren Ab- als Einfluss und so immer weniger Wasser hat.

Beim Maligne Lake könnte man eine Schiffstour machen, welche für einen kurzen Foto-Stopp zu einer kleinen Insel führt. Wir haben uns dagegen entschieden, da es uns etwas zu touristisch war ;-). Wir haben dafür einen kurzen Spaziergang durch den Moose Loop gemacht und kamen so zu einem weiteren sehr schönen See, dem Moose Lake. Auf dem Spaziergang waren wir dafür fast alleine, obwohl es beim Maligne Lake nur so von Touristen wimmelt.

Der Weg von Jasper nach Banff führte uns über den Icefields Parkway. Diese Teilstrecke gehört zu den schönsten Fernstrassen der Welt und meiner Meinung nach hat man wirklich eine wunderschöne Aussicht. Die Strasse führt entlang der Rocky Mountains und die Hauptsehenswürdigkeit ist das Columbia-Eisfeld, welches eine der grössten Eisansammlung südlich des Polarkreises ist. Da wir im Juli unterwegs waren, war das Eisfeld nicht sehr gross und auf Grund der Erderwärmung verringert sich die Grösse immer weiter.

Banff

Bei der Fahrt von Jasper nach Banff kann man beim letzten Teil der Strecke auf den Bow Valley Parkway ausweichen, welches eine Parallelstrasse zum Highway ist. Da die Strasse, im Gegensatz zu den Highways nicht eingezäunt ist, hat man dort eine grössere Chance Wildtiere wie Hirsche, Elche oder Bären zu sehen. Zudem hat es auf dieser Strasse mehrere Picknickplätze, welche mit einer schöner Aussicht punkten.

Im Banff National Park wollten wir eigentlich den Moraine Lake besuchen, welchen eine smaragdgrüne Farbe hat. Leider war die Strasse dorthin gesperrt und alle Besucher wurden nach Lake Louise weitergeleitet. Obwohl wir nicht sehr glücklich über die Planänderung waren, wollten wir diesen See besuchen gehen. Nachdem wir etwa 15 Minuten lang einen freien Parkplatz auf einem der drei riesigen Parkfelder suchten, hatten wir endlich Glück. Wir parkten also und liefen den kurzen (ca. fünf Minuten langen) Fussweg zum See. Doch diesen konnten wir leider kaum sehen wegen den vielen Menschen. Nach einem kurzen Blick auf den See beschlossen wir also wieder zurück nach Banff zu fahren.

Calgary

Obschon dies wahrscheinlich eine nicht sehr verbreitete Meinung ist, hat mir Calgary besser gefallen als Vancouver. Calgary war sowieso (aus mir unbekannten Gründen) schon immer ein Traumreiseziel von mir und ich kämpfte dafür, dass unsere Tour hier endete und nicht wie zuerst vorgesehen in Edmonton.

Das Merkmal von Calgary ist der 190 Meter hohe Fernsehturm. Von der Aussichtsplattform hat man einen tollen Blick über die Stadt und die umliegende Prärie.

Bevor wir zum Flughafen mussten um unseren Rückflug anzutreten, besuchten wir den Calgary Zoo. Der Zoo ist (wie bereits im Vancouver Aquarium) in verschiedene Gebiete aufgeteilt. Leider hatten wir nur Zeit einen Teil anzuschauen. Mir hat es sehr gefallen, aber ich besuche sowieso gerne Zoos. Falls ihr mal in Calgary seid und Zeit habt, ist er sicher einen Besuch wert.

Equipment

Das Equipment, das benötigt wird, hängt sehr stark davon ab, welche Aktivitäten du unternehmen willst und zu welcher Jahreszeit du dorthin reist. Die beste Reisezeit ist im Sommer von Mai bis Oktober. Jedoch ist es auch während dieser Zeit empfohlen einen warmen Pullover und eine etwas dickere Jacke einzupacken: Denn in den Rocky Mountains sind leichte Schneefälle auch im Sommer möglich. Was zudem sicher nicht schadet, sind gute Schuhe, mit welche auch beim längeren Laufen nicht schmerzen und eine wasserfeste Jacke.

Essen

In den grossen Städten, wie Vancouver und Calgary oder auch in den kleineren wie Jasper oder Banff gibt es eine grosse Auswahl an Restaurants aus allen Kulturen.

In den kleineren Orten hat man meist eine bescheidenere Auswahl und es kommt sogar vor, dass es nur ein Restaurant gibt. Dort wird meistens typisch nordamerikanische Küche, wie Burger, Chicken Wings oder Steak serviert. Zudem kann man eigentlich auch überall Poutine bestellen. Dies ist die kanadische Nationalspeise: Fries werden mit Käse bedeckt und anschliessend mit einer Bratensauce übergossen.

Tipps:

  • Steakhouse
    Das The Keg Steakhouse & Bar findet man in jeder grösseren kanadischen Stadt und zum Teil auch in der USA. In jeder Filiale hat es die selbe Menü-Karte, was den Vorteil hat, dass man vielleicht bereits einen Favoriten hat. Zudem sind die Angestellten (wie in ganz Kanada) immer sehr freundlich und hilfsbereit.
  • Fusion-Kitchen
    Eines der besten Restaurants in welchem ich während meinen Ferien in Westkanada gegessen habe, ist Evil Dave’s Grill. Sehr zu empfehlen sind die Cowboy Sushi! Dabei wird ein sehr zartes Tenderloin Steak in dünne Scheiben geschnitten, in Reis und Nori eingerollt und danach wird das ganze in einem Teig frittiert. Nicht sehr Figur freundlich aber trotzdem einen Versuch wert!
  • Fastfood
    Falls man weniger Zeit hat, dann ist Tim Hortons eine gute Option. Diese Kette ist das kanadische Pendant zu Starbucks und hat neben Kaffee und Süssgebäck auch frisch zubereitete Sandwichs und Burger. Zudem ist Tim Hortons an fast jeder Raststätte zu finden.

Nice to know

Währung: kanadische Dollars CAD. 1 CAD = 0.78 CHF (Stand September 2017)
Seit März 2016 benötigen Bürger aus visumfreien Ländern eine elektronische Reisegenehmigung vor der Ein- oder Durchreise von Kanada.

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